Volkspartei auch ohne Krawatte

01.03.2015

Die CDU Rhein-Sieg will den Dialog mit den Menschen weiter intensivieren

„Keiner tritt in einen Verein ein, wo die Mitglieder nicht fröhlich und zuversichtlich über das reden, was sie tun.“ Mit Sätzen wie diesen ermutigte CDU-Generalsekretär Peter Tauber die knapp 200 Christdemokraten und interessierten Bürgerinnen und Bürger, die sich zu einem „Volksparteikongress“ im Siegburger Stadtmuseum getroffen haben.  Das zentrale Diskussionsthema des durch den Arbeitskreis Volkspartei der Kreis-CDU organisierten Kongresses war die Frage, wie die Mandatsträger und Mitglieder der CDU ihre Überzeugungen und die Inhalte ihrer Politik deutlicher und näher an die Menschen bringen können. Die diskutierten Themen werden nun innerhalb des AK und der CDU-Kreispartei weitergeführt.

Tauber sieht die CDU im Rhein-Sieg-Kreis dabei gut aufgestellt. „Wenn Sie sich damit zum ersten Mal beschäftigen würden, dann wären Sie nicht so erfolgreich“, sagte er. Er ermutigte dennoch dazu, sich der Frage zu stellen, wie die CDU auf die Menschen wirke. Nach Taubers Analyse gibt es drei zentrale Gruppen innerhalb der Mitgliedschaft: Der ersten sei das „C“ wichtig, sei es aus persönlicher Bindung an die Kirche oder weil das „C“ als Chiffre für Werte aufgefasst werde. Die zweite Gruppe heiße die Soziale Marktwirtschaft gut und finde, dass sie in der Partei von Ludwig Erhard gut aufgehoben sei. Für die dritte Gruppe seien Schwarz-Rot-Gold keine beliebigen Farben und die Heimat sehr wichtig.  Rund 1.300 Vorschläge für die Zukunft der Partei seien bei ihm eingegangen, berichtete Tauber. Zwei davon stellte er in Siegburg vor: einen Mitgliederbeirat, der der Vorsitzenden und dem Generalsekretär schon mal die Meinung sagt. Und ein neues Mitgliederbegrüßungspaket. Denn ein Problem sei: „Zu viele treten relativ schnell wieder aus.“ Manche Neumitglieder bemängelten, dass sie zu wenig von der Partei hörten. Daher sei die Antwort auf die Frage wichtig: „Wie reden wir über uns?“

Unter der Moderation des Journalisten Dieter Schmidt gab es dann eine Podiumsdiskussion mit der Landtagsabgeordneten Serap Güler, der Journalistin Birgit Kelle, Generalsekretär Peter Tauber und Elisabeth Winkelmeier-Becker, der Vorsitzenden der CDU im Rhein-Sieg-Kreis und Bundestagsabgeordneten. Sie berichtete von den Mitgliederforen in jedem Landtagswahlkreis, bei denen es ausschließlich um die Anliegen der Mitglieder gehe. Das „C“ sei auch ihr sehr wichtig, bekräftigte Winkelmeier-Becker, „aber auch das ‚D‘ für Demokratie!“ Sie ermunterte dazu, die innerparteiliche Demokratie und den  Austausch untereinander zu pflegen.

Serap Güler CDU beschrieb den Beginn ihrer Bindung an die CDU damit, dass sie das Familienverständnis und die sehr offene Integrationspolitik der Partei teile. Die CDU betrachte Migranten nicht per se als hilfsbedürftig. Güler wies noch auf ein anderes Phänomen hin: „Man entscheidet sich für eine Partei nicht nur wegen der Inhalte, sondern auch wegen der Personen.“ Bei ihr seien es vor allem Heiner Geißler und Rita Süssmuth gewesen.

Die Journalistin Birgit Kelle konstatierte, alle Parteien hätten das Problem, dass immer weniger Menschen sich in der Politik engagieren möchten. Es gebe eine Diskrepanz: Die Basis sei unzufrieden aber artikuliere das nicht. „Weite Teile der Bevölkerung haben sich von Politik abgekoppelt“, sagte sie. Sie empfahl: „Man müsste viel mehr wissen: Wofür steht die CDU?“ Der Markenkern müsse in den Vordergrund gestellt werden. Viele Menschen hätten bei der Politik das Gefühl, „dass es keinen Meinungsbildungsprozess mehr gibt, sondern nur noch einen Meinungsverkündigungsprozess.“

Der Volksparteikongress lebte auch von der Diskussion mit dem Podium. Peter Tauber fand in diesem Zusammenhang wichtig, dass die CDU aufgrund ihrer Verdienste um Deutschland durchaus selbstbewusst auftreten dürfe. Und dazu gehöre auch, Kritikern klarzumachen, dass Demokratie anstrengend und kein Wellness-Programm sei. Elisabeth Winkelmeier-Becker hob die Bedeutung des Zuhörens hervor. Dafür müssten alle Kommunikationsmittel genutzt werden. „Die Mitglieder haben Anspruch darauf, dass wenn sie eine Frage haben, sie eine Antwort finden.“ Tauber sagte, die hauptamtlichen Mitarbeiter der Partei „werden sich mehr Zeit für die Mitglieder nehmen müssen.“

Wie man die Menschen in Kommune, Land und Bund künftig wieder mehr für Politik interessieren kann, war auch Thema der Grußworte. Landrat Sebastian Schuster stellte eine zentrale Frage: „Wie kriegen wir junge Leute in die Politik?“ Eine Krawatte braucht man dazu jedenfalls nicht – obwohl seine Frau ihn gewarnt habe, dann würden ihn die Älteren nicht mehr wählen. Und Siegburgs Bürgermeister Franz Huhn (ebenfalls ohne Krawatte) konstatierte: „Die Zeiten ändern sich deutlich“.