Das Für und Wider erneuerbarer Energien

28.09.2012

Diskussionsabend des MIT-Kreisverbands Rhein-Sieg linksrheinisch betonte die Notwendigkeit eines möglichst effizienten Energieeinsatzes

Ist unsere Energieversorgung nach der ‚Energiewende’ noch gesichert? Bleibt der Strom langfristig bezahlbar? Für den Abend des 6. September 2012 hatte die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU (MIT) im linksrheinischen Teil des Rhein-Sieg-Kreises zum Thema ‚Erneuerbare Energien zwischen Anspruch und Wirklichkeit’ in die Geschäftsräume der Sanitär- und Heizungstechnik Hans Fischer GmbH im Industriegebiet in Meckenheim eingeladen. Gut 30 fachkundige Teilnehmer kamen trotz des traumhaft schönen Spätsommerwetters zu der Veranstaltung. Sie wurden mit einer kontroversen Debatte auf höchstem Niveau belohnt.
 
„Eine Vollversorgung mit regenerativen Energien wird auch 2050 nicht möglich sein.“ Dr. Alfred Richmann, ehemals Geschäftsführer des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), zählte schonungslos die Schwachstellen der erneuerbaren Energien auf. Man müsse sich Deutschland als ‚Stromsee’ vorstellen, in dem der Pegel aus technischen Gründen nur geringfügig schwanken dürfe. Sonst drohe sofort der Zusammenbruch des Versorgungsnetzes. „Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke lassen sich flexibel hoch- und runterfahren. Einspeisung und Entnahme können im Gleichgewicht gehalten werden“, formulierte Richmann den Vorteil konventioneller Energieträger. Je mehr Strom aus regenerativen Energiequellen gewonnen wird, desto größer die Schwankungen bei der Einspeisung. Blase der Wind stark, werde viel Strom erzeugt. Bei Flaute liegt die Erzeugung brach. Ähnlich bei der Solarenergie. Der in Spitzenzeiten erzeugte Strom lässt sich nicht so ohne weiteres speichern. Zudem können Windkraftwerke sinnvoll nur gebaut werden, wo es starke Winde gibt – etwa an der Nordsee. Das wiederum wirft Probleme in Sachen Energietransport auf.
 
Dennoch gibt das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) den regenerativen Energien Vorrang: Bis 2050 muss 80 % des Stroms aus ihnen gewonnen werden. „Da es bei den Erneuerbaren keine gesicherte Leistung gibt, muss parallel zu ihrem Ausbau die Energieerzeugung über konventionelle Energieträger aufrechterhalten und wegen des Aus für die Kernkraft sogar noch gesteigert werden. Wir brauchen ein doppeltes System“, so Richmann. Eine kostspielige Entwicklung, bei deren Finanzierung die Verbraucher über die so genannte EEG-Umlage massiv zur Kasse gebeten werden. So habe der Anstieg dieser Umlage auf derzeit etwa 3,5 Cent pro Kilowattstunde den Strompreis binnen zehn Jahren verdoppelt.
 
„Das Automobil wird das Pferd niemals verdrängen“, stellte Ministerialdirigent Berthold Goeke vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ein Zitat an den Anfang seines Vortrags, das Kaiser Wilhelm II. zugeschrieben wird. „Es ist immer problematisch, Dinge aus dem Wissensstand des Status Quo heraus zu beschreiben.“ Der Leiter der Unterabteilung Erneuerbare Energien des BMU betonte, dass es bei der Integration der erneuerbaren Energien in die landesweite Energieversorgung natürlich eine Vielzahl elementarer Herausforderungen gebe. Es werde allerdings unter Hochdruck an intelligenten technischen Lösungen gearbeitet, diese Herausforderungen zu meistern. Impulse kämen gerade auch von neuen Akteuren auf dem Markt. Davon ganz abgesehen: Ohnehin seien Investitionen in die Erneuerung der Versorgungsnetze erforderlich. „Wir schauen uns sehr genau an, wie die Systeme zusammenpassen.“

Generell gilt es für Goeke, die erneuerbaren Energien „schrittweise an den Markt heranzuführen und die Subventionen langsam herunterfahren“, um den Kostendruck auf die Verbraucher zu verringern. Angesichts der schnellen technischen Entwicklung müsse andererseits sichergestellt sein, dass man etwa im Bereich Speicher für Wind- und Sonnenenergie nicht zu früh Infrastrukturen schaffe, die alsbald überholt sind. „Erneuerbare Energien bieten große Chancen, wenn wir die Dinge sinnvoll voranbringen und die Kosten im Griff behalten. Im Augenblick sind wir von der Erzeugung her sogar erfolgreicher als wir erwartet haben.
“ Für die wirtschaftliche Modernisierung unseres Landes und insbesondere für den Mittelstand biete die Energiewende große Chancen, verwies Goeke auf die ökonomischen Impulse der erneuerbaren Energien. So habe sich die Bruttobeschäftigung durch erneuerbare Energien im Zeitraum 2004 bis 2011 von 160.000 auf über 380.000 Arbeitsplätze mehr als verdoppelt. Die Investitionen in die Errichtung von EE-Anlagen in Deutschland beliefen sich im Jahr 2011 auf fast 23 Mrd. Euro, die Umsätze aus dem Bau und Betrieb knapp 14. Mrd. Euro. Das Ausland verfolge mit großem Interesse, wie Deutschland den Ausstieg aus der Kernenergie und die Modernisierung seiner Energieversorgung schaffe, betonte Goeke.
 
Dr. Wolfgang Paulus von der ILEK-Projektgruppe Erneuerbare Energie/Energieeffizienz berichtete von den Themen, mit denen sich diese interkommunale Arbeitsgruppe beschäftigt. „Statt auf den großen Wurf auf Bundesebene zu warten, führt die regionale Zusammenarbeit schnell zum Ziel“, betonte Paulus. Ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit ist eine unabhängige Energieberatung, in deren Mittelpunkt unter anderem eine bessere Ausnutzung der eingesetzten Energie steht. Letztlich kristallisierte sich dieser Aspekt in der von Thomas Spitz, Wirtschaftsförderer der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, lebendig moderierten Diskussion als ein gemeinsamer Nenner heraus: Ein effizienterer Energieverbrauch muss ein wichtiges Ziel der Energiepolitik sein. Die beste Energie sei jene, die nicht gebraucht wird.
 
((Bildunterschrift))
Nahmen sich des Für und Wider regenerativer Energien an (von rechts nach links): Wolfgang Fischer (Geschäftsführer der Hans Fischer GmbH), Dr. Alfred Richmann, Berthold Goeke, Thomas Spitz, Fred Bongartz (MIT) und Dr. Wolfgang Paulus.
 
Weitere Informationen:
 
MIT-Kreisverband Rhein-Sieg linksrheinisch
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