Barrierefreier Umbau macht Inklusion konkret

09.12.2014

CDU-Kreistagsfraktion fordert mit Betroffenen Zeitplan für Rhöndorfer Bahnhof

Rhöndorf. „Barrierefreier Umbau - schnellstmöglich" - Auf dieses Formel bringt Jörg Erich Haselier, Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion im neugegründeten Ausschuss für Inklusion und Gesundheit, seine Erwartungen vor einem Ortstermin mit der Vorsitzenden des nordrhein-westfälischen Petitionsausschusses, Rita Klöpper, am Rhöndorfer Bahnhof. Für Montag, 15.12.2014, 9 Uhr, hat die direkt gewählte Landtagsabgeordnete Andrea Milz (CDU) ihre Fraktionskollegin Rita Klöpper nach Rhöndorf eingeladen, um auf die unveränderte Situation hinzuweisen, die seit Jahren für mobilitätseingeschränkte Menschen inakzeptabel ist. „Bürger, die unsere Forderung nach einem hoffentlich baldigen barrierefreien Umbau unterstützen wollen, sind uns dabei als Gäste herzlich willkommen", sagt Haselier. Sein Kommen zugesagt hat auch Dr. Norbert Reinkober, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS).

„Wer es ernst meint mit Inklusion und damit mit der echten Teilhabe behinderter Menschen, der macht Aussagen zu einem verlässlichen Zeitplan und macht Inklusion so konkret", so Haselier. Natürlich wisse man vor Ort auch um die problematischen Finanzierungsrahmenbedingungen auf Bundes- und Landesebene. Umso mehr werten es die Rhöndorfer als positives Signal, dass der Geschäftsführer des VRS mit vor Ort sein wird. Für eine Realisierung des fälligen Projekts werden alle relevanten Akteure benötigt.

Es begann damit, dass ein Rollstuhl stecken blieb

Ein Berliner Internatsschüler des Hauses Rheinfrieden kehrte an einem Sonntag im Oktober 2010 von einem Familienwochenende heim und überquert, wie schon so oft und auch schon Unzählige vor ihm, den Karrenweg zwischen den Gleisen des Rhöndorfer Bahnhofes. Dabei bleibt er stecken und sein Rollstuhl wird stark beschädigt. Die Folge seiner sich hieran anschließenden Korrespondenz mit der Deutschen Bahn: der Karrenweg wird unbrauchbar gemacht. Ein Überqueren der Gleise ist fortan nicht mehr möglich. Eine Odyssee der mobilitätseingeschränkten Internatsschüler mit dem örtlichen Personennahverkehr beginnt.

Petition und Stadtratsbeschluss

Im März 2011 initiierte der Bürger- und Ortsverein Rhöndorf, dessen Vorsitzender Haselier ist, eine Petition zum barrierefreien Umbau des Rhöndorfer Bahnhofs. Bei der Übergabe der Petition durch den Vereinsvorsitzenden Jörg Erich Haselier an die direkt gewählte Landtagsabgeordnete Andrea Milz im Bad Honnefer Kursaal mit dabei: Hajo Slawski, der Schüler, der im Oktober 2010 mit seinem Rollstuhl stecken blieb.

Während Hajo Slawski und sein Mitschüler Marcel Goller auf Antrag Haseliers auch vor dem Bad Honnefer Stadtrat sprechen und dieser schließlich am 08.12.2011 einen einstimmigen Beschluss fasst, eine städtische Fläche zum Umbau eines barrierefreien Bahnhofs zur Verfügung zu stellen, macht sich der Petitionsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags im Juli 2011 unter großer Beteiligung der Bevölkerung und des Hauses Rheinfrieden bei einem Ortstermin am Rhöndorfer Bahnhof ein Bild von der Lage.

Deutsche Bahn schon 2011 zum Handeln aufgefordert

Der Beschluss des Petitionsausschusses erging im September 2011. Er besagte, dass die Deutsche Bahn tätig werden möge, mobilitätseingeschränkten Menschen, vor allem unter Berücksichtigung der Bewohner des Hauses Rheinfrieden mit dem Nell-Breuning-Berufskolleg der Josefs-Gesellschaft, zeitnah einen barrierefreien Auf- und Abstieg der Gleise zu ermöglichen.

Dicke Bretter bohren

Als im September 2014 eine Delegation des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" Rhöndorf auf Einladung des Bürger- und Ortsvereins besuchte, stellte Vereinsmitglied und Bürgermeister Otto Neuhoff die aktuellen Planungen zum Umbau des Bahnhofes vor. Diese Variante war im Mai dieses Jahres in einer gemeinsamen Sitzung zweier städtischer Ausschüsse zur Realisierung empfohlen worden. Von einer Umsetzung im Jahr 2018 war die Rede.

Wenn am 15.12.2014, über vier Jahre nach dem Vorfall, der die Diskussion entfachte, erneut Landespolitiker an den Rhöndorfer Gleisen stehen, wird auch Hajo Slawski dabei sein. "Das freut mich ganz besonders. Es hilft, die dicken Bretter zu bohren", so Haselier, der als Kreistagsabgeordneter bereits in der Wahlperiode 2009-2014 dem früheren Ausschuss für Angelegenheiten für behinderte Menschen angehörte.

Der heute 25jährige Hajo Slawski hat nach seinem Schulabschluss eine Ausbildung zum Fachangestellten für Bürokommunikation in Bonn absolviert, arbeitet in diesem Berufsbild und hat die Entwicklung um den barrierefreien Umbau des Rhöndorfer Bahnhofes immer verfolgt. "Natürlich werde ich genau zuhören, was die Bahnvertreter zusagen. Ich bin dann zufrieden, wenn nachfolgende Schülergenerationen von einem erfolgten Umbau profitieren können, der hoffentlich konkret terminiert wird", so Hajo Slawski.